Startseite | Stand: November 2021

Perinatalkonferenz am 10.November als Hybrid-Veranstaltung

Am Mittwoch, den 10. November luden die GGG-B und das Qualitätsbüro der LAG-DeQs wieder zu alljährlichen Perinatalkonferenz mit dem Titel „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“Auswirkungen gesellschaftlicher Krisen auf Berliner Perinataldaten ein.

Die Vorsitzende Frau Dr. Mangler

Vor Beginn des inhaltlichen Teils des Abends erinnerten Herr Prof. Dudenhausen und Frau Dr. Ramsauer mit einer Rückschau an den beruflichen und privaten Werdegang unseres am 6.November im Alter von 96 Jahren verstorbenen Kollegen Prof. Dr. Saling, dem dieser Abend gewidmet wurde.

Frau Dr. Dombrowski und Herr Prof. Bührer präsentierten den geburtshilflichen und neonatologischenTeil der Berliner Perinataldaten 2019/2020, wobei im Vergleich zu den Jahren vor der COVID-19-Pandemie keine wesentlichen Änderungen im Schwangerschaftsausgang festzustellen waren.

Einen Vergleich zu früheren pandemischen Notsituationen vor 100 Jahren zog Herr Prof. David dann in seinem Vortrag über die Müttergesundheit in Zeiten der Spanischen Grippe. Die Spanische Grippe führte zu einer Gesamtmortalität von 50/Mio Einwohner, auch der expressionistische Maler Egon Schiele und seine schwangere Frau verstarben 1918 an der Spanischen Grippe.

Egon Schiele, Schwangere Frau und Tod

Polizisten im Einsatz während der Spanischen Grippe in Seattle 1918

Fortgeführt wurde die wissenschaftliche Sitzung mit den Ausführungen Frau Dr. DresslerSteinbachs, die wesentlichen Unterschiede in der Betreuung von Schwangerschaften in Ost- und Westdeutschland darstellte. Nach wie vor zeigen sich auch 30 Jahre nach dem Mauerfall noch Abweichungen in der Anzahl durchgeführter Episiotomien, der Anzahl vaginaloperativer Geburten, Fetalblutanalysen und intern abgeleiteter CTGs.

Frau Dr. Dressler über Unterschiede in der geburtshilflichen Versorgung in Ost- und West

Frau Dr. Dröge ging auf die perinatale Versorgung von Frauen mit Flüchtlingsstatus ein: Bei heterogener Studienlage zeigt sich eine seltener Inanspruchnahme von Untersuchungen und ein subjektiv schlechter eingeschätzter Gesundheitszustand. Betroffene Frauen empfinden eine eingeschränkte Versorgung durch Kommunikationsprobleme, aber auch durch fehlenden Informationsfluss. Der Schwangerschaftsausgang bei Frauen mit Flüchtlingsstatus war in den präsentierten Studien als vergleichbar einzustufen, wobei die Sektiorate bei Frauen mit Flüchtlingsstatus teilweise sogar um bis 10% niedriger lag.

Nach den Ausführungen von Herrn Prof. Abou-Dakn und Frau Dr. Schohe über die dokumentierten Fälle von Corona-Infektionen in der Schwangerschaft auf Basis des CRONOS-Registers, entwickelte sich im Auditorium eine rege Diskussion über Impfempfehlungen oder Abraten zur Impfung bei niedergelassenen KollegInnen in Berlin.

Seinen Ausklang fand der Abend beim gemeinsamen Imbiss.

Die nächste Veranstaltung findet am 19.Januar statt. Wir wünschen allen KollegInnen eine schöne und geruhsame Weihnachtszeit.

IN MEMORIAM Herrn Professor Erich Saling "Vater der Perinatalen Medizin"

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Herrn Prof. Dr. med. Dr. med. h.c. (mult.) Erich Saling, der am 6.11.2021 in seinem 97. Lebensjahr in Berlin verstarb. Herr Prof. Saling galt national wie auch international als Begründer der Perinatalmedizin und wirkte in seinem Fach weit über seine aktive berufliche Karriere hinaus bis ins hohe Alter. Seine Karriere begann mit der Assistenzarztzeit in der ehemaligen Landesfrauenklinik BerlinNeukölln (jetzt Vivantes Klinikum Neukölln), wo er 1958 die Anerkennung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe erlangte. 1976 wurde Erich Saling Chefarzt der Abteilung für Geburtsmedizin an der Frauenklinik Berlin-Neukölln und zum Direktor des für ihn begründeten Instituts für Perinatale Medizin der FU Berlin ernannt. Im Jahr 1987 wurde er zum C4-Professor der Freien Universität berufen.
Neben der in den 60er Jahren eingeführten Fetalblutanalyse und der Durchführung der Amnioskopie wurde Herr Prof. Saling für die Entwicklung des Frühen Totalen Muttermundverschluss und Untersuchungen über Frühgeburtlichkeit weltweit berühmt. Ihm gelang es, von der mechanischen Geburtshilfe mit Blick auf allein die Schwangere allein weiter auf das Ungeborene zu fokussieren und somit einen optimalen Schwangerschaftsausgang zu ermöglichen.
Als Gründungspräsident zahlreicher Fachgesellschaften in Deutschland wie der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin (DGPGM) e.V. sowie der 1993 von ihm gegründeten "Erich Saling Institut für Perinatale Medizin e.V.", in der er sich auch nach seiner Emeritierung als Universitätsprofessor weiter engagierte.
Seine wissenschaftlichen und beruflichen Leistungen wurden mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen und Auszeichnungen geehrt.
Wir verdanken Prof Erich Saling eine weltweit qualitativ bessere Geburtshilfe.


 

Besucher: 695809
Letzte Änderung: 22.11.2021



Impressum | Datenschutzerklärung