Startseite | Stand: März 2019

Wissenschaftliche Sitzung zum Thema „vorzeitiges Schwangerschaftsende“

Bei nahezu vollständig besetzten Rängen im Auditorium und hochrangigen ReferentInnen wurde bei der wissenschaftlichen Sitzung der GGG-B am 20.03.2019 das Thema des vorzeitigen Schwangerschaftsendes diskutiert.

Nach der Vorstellung von zwei Kasuistiken mit jeweils einer intramuralen Schwangerschaft und dazu eindrücklichen Ultraschall- CT- und Operationsbildern durch Frau Bacovsky aus der Oberhavel Klinik Oranienburg, erfolgte eine spannende Pro und Contra Diskussion zum Schwangerschaftsabbruch per Curettage vs. dem medikamentösen Vorgehen. Beide Rednerinnen, Frau Dr. Zaghloul Abu Dakah und Frau Tennhardt, bewiesen Ihre klinische Kompetenz, ihre umfangreiche Erfahrung und zeigten überzeugende Daten für beide Vorgehensweisen.
Frau Tennhardt gab zu bedenken, dass sich 50-70% der Frauen einen medikamentösen Abbruch wünschten. Einer der Hauptgründe für die Curettage sei hingegen, so die Erhebungen von Frau Dr. Zaghloul Abu Dakah, neben der Sicherheit und der allgemeinen Patientinnenzufriedenheit, auch die für einen medikamentösen Abbruch bereits häufig schon zu weit fortgeschrittene Schwangerschaftswoche.

Von den 100.000 jährlich in Deutschland durchgeführten Schwangerschaftsabbrüchen erfolgen etwa 0,5% nach der 22.Schwangerschaftswoche. Bei gleicher Indikation werden Abbrüche bei jüngeren Frauen tendenziell später durchgeführt, erklärte Herr Privatdozent Weichert in seinem Beitrag zum späten Schwangerschaftsabbruch. Dies hänge möglicherweise mit der später gestellten Diagnose bei jüngeren Schwangeren zusammen, da diese seltener bereits im ersten Trimester einer differenzierten Embryosonographie zugeführt würden.

Als Höhepunkt stellte abschliessend der Hamburger Strafrechtler und Rechtsphilosoph Herr Professor Merkel, Mitglied des deutschen Ethikrates, die rechtliche Lage zum späten Schwangerschaftsabbruch dar. Die Annahme, dass ein Abbruch zwar rechtswidrig, aber straffrei sei, widerlegte er mit der dem BVerfG widersprechenden These, dass in deutschen Gesetzestexten gleichzeitig eine flächendeckende Organisation von Abtreibungsmöglichkeiten gefordert wird und es somit zu einem normenlogischen Widerspruch, einer „falsa demonstratio“ gekommen sei.
Außerdem sei die Annahme, dass Abtreibungen nach medizinischer Indikation sich auf den Feten als Grundrechtsträger beziehen, falsch. Die individuelle Unzumutbarkeit für die Mutter bilde die Indikation, nicht eine körperliche oder geistige Behinderung des Kindes.


 

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Letzte Änderung: 08.04.2019



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