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6. Berliner Peri- und Neonataldatensymposium 2019
am Mittwoch, 20. November 2019

Schwerpunktthema der vierten Peri- und Neonataldatenerhebung 2018 war in dieser gemeinsamen Sitzung der „Wochenendeffekt“ in Geburtskliniken.
Ein besonderer Dank gilt Frau Ziegert vom Qualitätsbüro der Ärztekammer Berlin (QBB) und Herrn Prof. David aus der Charité für die Programmgestaltung und Referentenauswahl, die eine große Zuhörerschaft anlockten.

Stellv. Vorstandsvorsitzende Fr. Dr. Dombrowski (Waldkrankenhaus Spandau) und Vorstandsvorsitzender der GGGB Herr Prof. Henrich (Charité)

Im nahezu voll besetzten Saal des Kaiserin-Friedrich-Hauses wurden nicht nur die Perinataldaten detailliert dargestellt, sondern auch die Versorgungsstrukturen für Mütter und Ihre Neugeborenen in Abhängikeit von Wochentagen / Tages bzw. Nachtzeiten analysiert und diskutiert. Ferner wurde das Auditorium über die Folgen der Arbeitsbelastungen und die Konsequenzen für das Personal informiert.

Frau Dr. Dombrowksi, Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe des Waldkrankenhauses Spandau und stellvertretende Vorsitzende der GGG-B, begann mit dem Dialog über die geburtshilflichen Ergebnisse in Berlin 2018.
Frau Dr. Dressler, Oberärztin aus dem Sana Klinikum Lichtenberg, präsentierte die Korrelation der Daten zum sog. „Wochenendeeffekt“ in der Geburtsmedizin über einen 5-Jahreszeitraum. Interessanterweise war die Rate der sekundären Sectiones in der Dienstarbeitszeit niedriger als in der Regelarbeitszeit, Spontangeburten waren signifikant häufiger und schienen einen kürzeren Verlauf zu haben.
Ein Nachteil für die Mütter am Wochenende konnte hinsichtlich der Versorgungsqualität in der Geburtsmedizin in Berlin zwischen 2014 und 2018 erfreulicherweise nicht beobachtet werden.

In diesem Zusammenhang passte der kurzweilige, historische Rückblick von Herrn Professor David über die ärztlichen Bestrebungen der „programmierten Geburt“. Insbesondere zur Vermeidung von Geburten ausserhalb der Kernarbeitszeiten lässt diese Überlegung Geburtshelfer seit Jahrzehnten keine Ruhe. Von dem Wunsch nach Vereinfachung des ärztlichen Tagesablaufes stellte sich im Auditorium die Frage nach der wissenschaftlichen Evidenz und Etablierung ebendieser. Unter der Beachtung der Daten zur Geburtseinleitung der 2018 hochrangig veröffentlichten ARRIVE-Studie bekommt das Thema eine neue Argumentationsgrundlage. Bei einer generellen Einleitung von Schwangeren mit 39 vollendeten Schwangerschaftswochen konnten in dieser Studie Vorteile hinsichtlich der perinatalen Ausgänge für die Mütter und Neonaten gezeigt werden.

Herr Prof. David (Charité) in seinem humorvollen Vortrag über die „programmierte Geburt“

Die neonatologische Sicht der Daten aus 2018 veranschaulichten Herr Dr. Michel aus dem Sana Klinikum Lichtenberg und Herr Professor Bührer aus der Charité. Offensichtlich scheint es in den Nachtstunden etwas häufiger neonatale Azidosen zu geben als in den Stunden am Tage. Ob diese Azidosen eine langfristige Bedeutung für die perinatale Morbidität haben und inwieweit dies mit unerwartet auftretenden Notfällen zusammenhängt oder mit Versorgungsstrukturen, muss in Einzelfallanalysen weiter geklärt werden.

Herr Prof. Bührer (Charité), Herr Prof. Henrich (Charité) und Frau Ziegert (QBB)

Zu einer guten Qualität in der Geburtsmedizin und Neonatologie tragen neben den Versorgungsstrukturen auch die Zufriedenheit und Gesundheit des Personals bei. Zu diesem Thema illustrierte Herr Dr. Grosse, Oberarzt der Neurologie und Schlafmediziner an der Charité , die Physiologie des Schlafes in Verbindung zu soziokulturellen Normen und Anforderungen an das Berufsleben. Dieses allgemeinbildende humorvoll vorgetragene Referat rundete den kollegialen interdisziplinären Dialog ab.

Der Abend endete wie immer in regem Gedankenaustausch am Berliner Buffet.

Die Referenten der Sitzung: Herr Professor Bührer, Frau Dr. Dombrowski, Herr Professor David, Frau Dr. Dressler, Herr Dr. Grosse und Herr Dr. Michel


 

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Letzte Änderung: 17.01.2020



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