Startseite | Stand: Oktober 2019

Psyche in der Frauenheilkunde, Sitzung am 16.10.2019

Während in dieser Woche der Ultraschallkongress ISUOG ein internationales Publikum nach Berlin zog, ging es während der wissenschaftlichen Sitzung der GGG-B am 16.10. um die „Psyche in der Frauenheilkunde“.

Die ReferentInnen Herr Dr. Uphoff, Frau Dr. Weißhaupt und Frau Dr. Klapp mit Schriftführerin Frau Dr. Dröge und dem Vorstandsvorsitzenden Herrn Prof. Henrich

Als erste Referentin fasste Frau Dr. Almut Dorn, Psychotherapeutin aus Hamburg, die psychischen Aspekte in der Betreuung von Paaren während der Kinderwunschbehandlung zusammen. Insgesamt liegt die 12-Monats-Prävalenz psychischer Störungen bei Frauen und Männern bei etwa 30 Prozent, unabhängig davon, ob ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt oder nicht. Hängt der Erfolg einer Fertilitätsbehandlung nachgewiesenermaßen nicht von der psychischen Verfassung der Patienten ab, so sollten Paaren in Hinblick aber eine psychologische Unterstützung während dieser angeboten werden.

Frau Dr. Dorn über die Prävalenz psychiatrischer Erkrankungen

Im Anschluss präsentierte Frau Dr. Karen Weißhaupt aus der Charité eine Kasuistik zu einer Patientin mit paranoider Schizophrenie: Nach richterlicher Entscheidung gegen die Notwendigkeit einer primären geplanten Sektio war es bei der Patientin ungeplant und nicht vorhersehbar auf der psychiatrischen Station zur unkomplizierten Alleingeburt eines lebensfrischen Neugeborenen gekommen. Auch die Mutter blieb ohne jegliche Geburtsverletzungen. Das Neugeborene wurde postnatal in Obhut genommen. Um potentiell lebensgefährliche Situationen für Mutter und Kind zu vermeiden, wurde in der Charité eine interdisziplinäres SOP (Standard Operating Procedure) erstellt, welche die Schwangerenvorsorge ebenso wie die Geburt und die Planung nach der Geburt umfasst.

Frau Dr. Weißhaupt präsentiert die Erfahrungen der psychiatrisch erkrankten Patientin

Die rechtliche Grundlage für medizinisch notwendige Maßnahmen bei psychiatrisch erkrankten Schwangeren präsentierte der Medizinrechtler Dr. Roland Uphoff aus Bonn: Nach § 630 d Abs. 1 Satz 4 BGB zählt hier für unaufschiebbare Maßnahmen (z.B. Sektio bei pathologischem CTG) die mutmaßliche Einwilligung einer gesunden Patientin. In der Praxis sollte auch die psychiatrische Patientin eine optimale geburtshilfliche Behandlung in der Geburtsmedizin (nicht in der Psychiatrie) erhalten. Generell bedürfen Fixierungen der Genehmigung durch das Betreuungsgericht, sind aber auch ohne derartige Genehmigung zulässig, wenn eine solche nicht rechtzeitig zu erlangen ist. Psychiatrisch auffällige Patientinnen, die nicht im Sinne des Kindeswohls entscheiden können, sind insgesamt selten. Mit ihrer Vorstellung des vom Berliner Senat unterstützten Babylotsenprojekts mit dem Titel „Vom reaktiven- zum präventiven Kinderschutz“ erläuterte Frau Dr. Klapp die Unterstützungsmöglichkeiten von sozial- oder psychisch belasteten Eltern, deren Bedarf ohne ein generelles Screening in der Geburtsklinik nicht erkannt worden wäre. Mittlerweile beteiligen sich alle 18 Berliner Geburtskliniken an dem Projekt, in dem Eltern durch den Einsatz von Sozialarbeiterinnen oder Hebammen sogenannte „frühe Hilfen“ erhalten.

Frau Dr. Klapp über das Babylotsenprojekt

Seinen Ausklang fand der Abend wie immer beim angeregten Gespräch mit Berliner Buffet.


 

Besucher: 480565
Letzte Änderung: 28.10.2019



Impressum | Datenschutzerklärung