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10/2017 | Artikel des Monats: Frauenärzte müssen impfen | monatsartikel_1710.pdf

Artikel des Monats (Oktober 2017)

Frauenärzte müssen impfen

Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit zählen Impfungen zu den wichtigsten medizinischen Errungenschaften.

Die Durchführung von Impfungen gemäß Stiko (Ständige Impfkommission) leisten dem Aufbau eines Individual- und Bevölkerungsschutzes einen wesentlichen Beitrag.

Impfungen schützen vor impfprävalenten Infektionskrankheiten, ein möglicher unsachgemäßer Gebrauch von Antibiotika kann reduziert werden.

Frauenärzte sollen sich immer wieder neu für das Schließen der Impflücken, bei der weiblichen Bevölkerung, einsetzen. Durch das Kontrollieren des Impfpasses kann den Frauen, bei der regelmäßigen Vorsorge, der Hinweis auf fehlende Impfungen gegeben werden und diese aufgefrischt bzw. nachgeholt werden.

So kann bei Frauen mit Kinderwunsch vorsorglich der Nestschutz für künftigen Nachwuchs angelegt werden.

Auch die Notwendigkeit der Impfung gegen humane Papillomviren ( HPV ) für junge Mädchen hin zum Schutz vor einer sexuell übertragbaren Krankheit und für die Chance auf ein Leben frei von Zervixkarzinom ist ein wesentlicher Bestandteil unserer täglichen Arbeit.

Harald zur Hausen veröffentlichte 1976 zum ersten Mal die Hypothese das humane Papillomviren Zervixkarzinom auslösen können - 32 Jahre später erhielt er dafür den Nobelpreis für Medizin.

Seit 2006 gibt es einen Impfstoff gegen HPV.

Die Wirksamkeit der Impfung ist seit Jahren in der Diskussion.

Nicht einmal die Hälfte aller jungen Mädchen sind in Deutschland geimpft, während die Impfrate in Ländern mit Schulimpfprogrammen 70 - 80 Prozent beträgt.

Leider gibt es bei Impfungen ein großes Potenzial an Verunsicherungen.

Anstelle des Erkrankungsrisikos steht bei Patientinnen häufig das erhöhte Impfrisiko im Vordergrund ohne dabei das Verhältnis zwischen beiden zu sehen.

Zum Thema HPV-Impfung liegen weltweit Studien mit insgesamt 75.000 Patientinnen vor. Alle Studien bestätigen das hohe Wirksamkeits- und Sicherheitspotential der Impfung.

Symptome, wie Fieber als direkte Impfreaktion seien möglich, anhaltende Nebeneffekte oder erhöhtes Risiko gebe es jedoch nicht.

Durch die HPV Impfung sind sowohl die Erkrankungszahlen an Krebsvorstufen als auch die Genitalwarzen deutlich zurückgegangen. Gerade der Rückgang an Krebsvorstufen ist für junge Frauen ein Fortschritt, denn dadurch können Operationen vermieden werden, die bei späteren Schwangerschaften zu Komplikationen führen könnten.

Seit einem Jahr steht nun ein Impfstoff zur Verfügung, der gegen neun Hoch-und Niedrigrisiko HPV-Typen zu nahezu 100 Prozent wirksam ist. Damit wird eine 90 prozentige Protektion gegen HPV-assoziierte Karzinome, präkanzeröse Läsionen und Genitalwarzen erwartet.

So lange es aber unbelehrbare Impfgegner gibt, viele Menschen Impfungen für gefährlicher als die Erkrankung halten, hilft nur die dauernde sachliche Aufklärung, die sich auf Studienerkenntnisse und wissenschaftliche Beweise stützt.

Es ist daher eine wichtige Aufgabe, nicht nur die jungen Mädchen anzusprechen, ebenso kann auch über die Mütter eine gute Aufklärung erreicht werden, so dass sich in Zukunft in Deutschland die Impfrate der HPV Impfung deutlich verbessern könnte.



Dr. med. K. Trenkler - Kühling

Fachärztin für Frauenheilkunde & Geburtshilfe
trenkler-kuehling@gmx.de


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Aktualisierung: 03.11.2017


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Letzte Änderung: 13.12.2017


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