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02/2012 | Laudatio Professor Fischer |

Laudatio Professor Fischer

Lieber Herr Professor Fischer, auch Sie werden heute Ehrenmitglied der Berliner Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie, sicher, da Sie ebenfalls wie  Schröder als Gründer der Gesellschaft oder Ohlshausen, Martin, Bumm, Stoeckel, um nur einige zu nennen, als Vorsitzender der Gesellschaft aktiv waren.

Es gibt aber noch zwei weitere Gründe für eine Ehrenmitgliedschaft, einerseits Ihr berufliches Engagement für die Berliner Charité in Klinik, Lehre und Forschung, andererseits Ihr nahezu olympischer Geist, die Tradition der Urogynäkologie an der Charité nicht nur fortzuschreiben, sondern neu zu strukturieren und über die Grenzen der Universität hinauszutragen.

Lieber Herr Prof. Fischer, ich darf dem Auditorium kurz Ihr Schaffen an der Humboldt-Universität schildern: Es begann mit dem Medizinstudium, Sie promovierten zur Problematik der Lues bei Mutter und Kind, sammelten unter Waldeyer Kenntnisse an der Anatomie, unter Prof. Kraatz absolvierten Sie die Facharztausbildung in der Gynäkologie und Geburtshilfe. Bereits 3 Jahre später (1965) habilitierten Sie zum Thema "Neue Erkenntnisse über die Ureterfunktion beim Kollumkarzinom". Das brachte Ihnen an der Klinik den Namen "Pinkel-Fischer" ein. 1968 folgte die Berufung zum Dozenten, 1979 zum a.o. Professor, 1994 erfolgte die Neuberufung zum C3 Professor für den Fachbereich Urogynäkologie, im Jahre 1999 wurden Sie emeritiert.  Es ist sicher schwer zu zählen, wie viele Assistenten sie auf dem Weg zum Facharzt begleitet haben, bekannt ist, dass Sie neben Ihren drei leiblichen Kindern (die alle Mediziner geworden sind) 42 außereheliche Vaterschaften anerkannt haben, das ist die Zahl ihrer Doktoranden, hinzu kommen 4 Habilitanden.

Außerdem waren Sie für knapp 20 Jahre Redaktionssekretär bzw. Mitglied des Redaktionskollegiums des Zentralblatt für Gynäkologie und reichten auch etliche wissenschaftliche Arbeiten zur Publikation ein. Insgesamt verfassten Sie weit über 200 Publikationen, schrieben 2 Lehrbücher zur Urogynäkologie in Klinik und Praxis / Praxis und Klinik 1982 und 1995, womit wir schon beim eigentlichen urogynäkologischen Schaffen sind:

1970 wurde Ihnen nach Stoeckel und Kraatz die Leitung der Abteilung für Urogynäkologie übertragen. Hauptverdienst war es, die Urogynäkologie völlig umstrukturiert zu haben (vorher war sie für die Behandlung urogynäkologische Komplikationen nach Radikaloperationen hauptsächlich gedacht und Harninkontinenz wurde fast immer operativ angegangen), so führten Sie Sprechstunden ein, entwickelten die konservative Therapie, defektorientierte Operationstechniken (FKS, PKP, Schlingen, TVT, Sie hatten einen sehr guten "Riecher" für Kontinuität und Innovationen, also eine gute Mischung aus Tradition und Moderne.

Gerade durch Ihre Mitgliedschaft in der International Urogynecology Association (IUGA); 1975) konnten Sie viele Ideen sammeln, von 1985-88 waren Sie Vorstandsmitglied und von 1990 - 2004 Beiratsmitglied des Publikationsorgans, dem International  Urogynecology Journal. Ihre Freundschaften zu Ingelman-Sundberg, Ulmsten oder Stanton sollten das urogynäkologische Bild in ganz Deutschland bereichern, ich denke da nur an die Einführung der TVT-Plastik 1996.

Neben den fachlichen Inhalten gaben Sie auch außerhalb der Universität der Urogynäkologie Struktur. 1970 gründeten Sie in der DDR die AG Urogynäkologie und leiteten diese bis zur Wiedervereinigung 1990. Unter Ihrer Anleitung fanden regelmäßig regionale und überregionale Tagungen statt und etablierten sich Kliniken mit entsprechenden Schwerpunkten, heute würde man Beckenbodenzentren dazu sagen, wobei damals klare inhaltliche Strukturen definiert waren. Sie unterhielten internationale Kontakte, letztlich wurde nach Ihrem Vorbild in der CSSR  eine vergleichbare Gesellschaft gegründet, als Dank wurden Sie Ehrenmitglied der Gesellschaft  für Gynäkologie & Geburtshilfe der CSSR.

1997 führten Sie schließlich erstmalig die Berlin-Brandenburgischen Urogynäkologie-Tage durch, diese jähren sich nun zum 11. Mal und haben seit Anbeginn einen überregionalen Charakter.

Der dritte und Hauptgrund für die heute ernannte Ehrenmitgliedschaft ist die Tatsache, dass Sie von 1985-1990 der Vorsitzende der Regionalgesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie von Berlin und den Bezirken Potsdam und Frankfurt/Oder waren. Hier war es Ihr Verdienst, die Tagungen der Gesellschaft nicht nur auf universitärem Niveau auszugestalten, sondern diese auch wieder mit Leben zu füllen. Dies gelang einerseits, in dem die genannten Berliner Randbezirke mit einbezogen wurden und die Chefärzte der städtischen Häuser für die Organisation der Tagungen verantwortlich waren. Statt der monatlichen Freitagabendsitzungen wurden 4 Ganztagssitzungen (2 Berlin, Frankfurt, Potsdam) abgehalten. Zwei Sitzungen muss man als Höhepunkt Ihrer Amtszeit erwähnen: Die internationale Sitzung im Jahre 1987 anlässlich der 750 Jahrfeier von Berlin (als internationale Gäste wurden Prof. Kahn aus Moskau und Prof. Gitsch aus Wien eingeladen) und die erste gemeinsame Sitzung beider Berliner Gesellschaften nach der Wiedervereinigung am 28.3.1990, welche Sie zusammen mit Prof. Weitzel organisierten und mit ihm beide Gesellschaften wieder zusammenführten.

Prof. Weitzel nutzte hierzu schließlich eine urogynäkologische Metapher: ... vom gemeinsamen Fluss, der durch eine Insel getrennt in zwei Flussläufe, westlich und östlich an dieser Insel vorbeiläuft und dahinter sich zu einem großen Strom wieder vereinigt ..."

Lieber Herr Prof. Fischer, lassen Sie es mich kurz zusammenfassen: die Berliner Gesellschaft hat Sie verdient und das möchte sie Ihnen mit der Ehrenmitgliedschaft zum Ausdruck bringen.





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Letzte Änderung: 22.05.2017


Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie in Berlin
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