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16.11.2011 | Helmut-Kraatz-Preis für wissenschaftlichen Nachwuchs auf dem Gebiet der Frauenheilkunde seit 1990 erstmals wieder vergeben | ebert_a_helmut_kraatz_preis_2011.pdf

Helmut-Kraatz-Preis für wissenschaftlichen Nachwuchs auf dem Gebiet der Frauenheilkunde seit 1990 erstmals wieder vergeben

In Gedenken an Prof. Dr. med. Dr. h. c. Helmut Kraatz (1902-1982), den Ordinarius für Geburtshilfe und Gynäkologie der Berliner Charité (1952-1970) sowie ihren ehemaligen Vorsitzenden vergibt die Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie in Berlin (GGGB, gegr. 1844) ab 2011 den Helmut-Kraatz-Preis an junge Frauenärztinnen und Frauenärzte, die einen hervorragenden Beitrag auf dem Gebiet der Frauenheilkunde im weitesten Sinne geleistet haben.

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Helmut Kraatz (1902-1982, Abb. 1a)

Helmut Kraatz, geboren 1902 in einer Bäckerfamilie in Lutherstadt Wittenberg, erhielt seine Ausbildung als Student bei Prof. Bumm und ab 1930 als Arzt bei Prof. Stoeckel, bei dem er sich auch habilitieren konnte. Nach dem Krieg wurde Kraatz auf das gynäkologisch-geburtshilfliche Ordinariat der Martin-Luther-Universität Halle (1949-1951) berufen, wo er auch zum Dekan gewählt wurde. Dann folgte er der Berufung als Stoeckels Nachfolger auf den Lehrstuhl der Humboldt-Universität (1951-1970), wo er später auch als Dekan Verantwortung übernahm; Berufungen an die Universitäten Wien, Frankfurt und Freiburg lehnte er in den 50er und 60er Jahren aus Verbundenheit mit "seiner" Berliner Universitäts-Frauenklinik ab. Den ihm angetragenen Vorsitz der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe konnte er aufgrund politischer Querälen nicht annehmen. Lange verbanden Kraatz enge Beziehungen zu Gustav Döderlein (Jena/München) und Herbert Lax (Freie Universität Berlin)

Helmut Kraatz (Humboldt-Universität zu Berlin) und Herbert Lax (Freie Universität Berlin)

Zwei Stoeckel-Schüler: Helmut Kraatz (Humboldt-Universität zu Berlin) und Herbert Lax (Freie Universität Berlin)

Kraatz lieferte wichtige Beiträge auf den Gebieten der Urogynäkologie, der Onkogynäkologie und der Geburtshilfe.





Wesentlich waren seinerzeit seine Ideen zur Strukturbildung moderner Frauenkliniken. Ein wesentliches Verdienst war auch die jahrzehntelange Leitung des "Zentralblattes für Gynäkologie"



Das Redaktionskollegium des Zentralblattes für Gynäkologie in der Bibliothek der Universitäts-Frauenklinik in der Tucholskystrasse: in der Mitte H. Kraatz, links daneben: H. Kyank, ganz links im Bild: H. Igel; rechts neben Kraatz: W. Fischer

Nachfolger von Helmut Kraatz wurde Prof. Hans Igel, der ebenfalls Vorsitzender der GGGB war und 1994 zu ihrem Ehrenmitglied ernannt wurde. Prof. Igel, nun fast 94 Jahre alt, ließ es sich nicht nehmen, an der Festsitzung persönlich teilzunehmen.



Prof. Hans Igel und Prof. Helmut Kraatz



Ab 1980 verlagerte sich der Genius loci von der Tucholskystrasse in die eigentliche Charité.
Helmut Kraatz war immer der Aus- und Weiterbildung verbunden. Kinderlos geblieben stiftete er einen wesentlichen Teil seines Vermögens, das in den Helmut-Kraatz-Preis einfloss. Der Helmut-Kraatz-Preis wird an Einzelpersonen oder Gruppen verliehen,

  • die mit wissenschaftlichen Arbeiten, Aufsätzen oder Monographien auf dem Gebiet der Gynäkologie und Geburtshilfe im weitesten Sinne dazu beitragen, das wissenschaftliche Niveau zu entwickeln oder zu bestimmen
  • deren Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Gynäkologie und Geburtshilfe zügig in die medizinische Praxis überführt werden konnten oder überführt werden können
  • die sich durch hervorragende Ideen und Leistungen um die Strukturierung des Faches Verdienste erworben haben.
Ausgezeichnet werden WissenschaftlerInnen unseres Fachgebietes im weitesten Sinne auf der Grundlage ihres bisherigen wissenschaftlichen Oeuvres, die gewöhnlich nicht älter als 40 Jahre sind.

Der Preis finanziert sich auch heute aus dem von Prof. Kraatz hinterlassenen Stiftungsvermögen. Vorsitzender der Stiftung ist  Prof. Ebert. Die Statuten des Preises finden sich unter www.ggg-b.de; Zu den bisherigen Preisträgern zählen Prof. W. Fischer, Prof. G. Köhler, Dr. Justus, Dr. Geissler, Prof. G. Dellas sowie Prof. R. Bollmann. Nach 1990 wurde der Helmut-Kraatz-Preis, ursprünglich ein Preis der Humboldt-Universität zu Berlin, von der Charité trotz vielfältiger Bemühungen verschiedener Fachkollegen nicht mehr vergeben. Im letzten Jahr (2010) gelang des dann einem Team aus Kraatz-Erben, engagierten Charité-Kollegen, der Dekanin sowie den Vorständen der Charité und der Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie in Berlin den Preis auf die GGGB zu überschreiben und damit den Weg für eine  Ausschreibung und Vergabe frei zu machen. Der Preis wurde und wird bundesweit und in den deutschsprachigen Ländern ausgeschrieben.

Am 16. November 2011 ehrte die Jury in einer wissenschaftlichen Sitzung Frau Privatdozentin Dr. med. Christina Fotopoulou, leitende Oberärztin der Klinik für Gynäkologie, Charité - Campus Virchow-Klinikum, für ihre Arbeiten auf den Gebieten der gynäkologischen Onkologie sowie der operativen Gynäkologie.



Privatdozentin Dr. med. Christina Fotopoulou (33) erhält im Kaiserin-Friedrich-Haus die Urkunde und das Preisgeld vom Stiftungsvorsitzenden und derzeitgen Vorsitzender der GGGB Prof. Ebert.

Kurzer Lebenslauf von Priv.-Doz. Dr. med. Christina Fotopoulou

04/2010 Habilitation: Charité-Universitätsmedizin Berlin-Klinik für Gynäkologie (Prof. Werner Lichtenegger): "Aktuelle Aspekte in der operative Therapie des epithelialen Ovarialkarzinoms"
10/2009 Subspezialisierung Gynäkologische Onkologie
07/2007 Fachärztin für Frauenheilkunde & Geburtshilfe (Ärztekammer Berlin)
08/2003 Vollapprobation als Ärztin (Ärztekammer Berlin)
02/2003 Promotion: Charité - Universitätsmedizin Berlin- Klinik für Allgemein- und Transplantationschirurgie (Prof. Peter Neuhaus): "Humorale immunologische Reaktionen bei Patienten im akuten Leberversagen während ihrer Behandlung mit einem hybriden Leberunterstützungssystem"
12/2001 Staatsexamen Humanmedizin: Humboldt-Universität zu Berlin


Wissenschaftliche Schwerpunkte
  • Optimierung der Qualität der translationalen Forschung in dem Gebiet der Gynäkologischen Onkologie 
  • Evaluation und Validierung eines operativen Dokumentationssystems (Intraoperative Mapping of Ovarian Cancer - IMO) zur Optimierung des Tumordisseminierungsmusters, histopathologischen Profils und operativen Outcomes von Patientinnen mit Ovarialkarzinom. 
  • Klinische und molekulare Prediktoren des operativen Outcomes von primären und rezidivierenden Ovarial- und Zervixkarzinomen 
  • Krebsinduzierte Thrombophilie
  • Intraperitoneale Immuntherapie epithelialer Adenokarzinome 
  • Isolierung von epithelialen Progenitorzellen/Stammzellen aus humanen Tuben sowie Analyse des Infektionszyklus mit Chlamydia trachomatis.
  • Evaluation der host-pathogen Interaktionen und Gewebeinflammation (Kooperation mit Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin)
  • Immunologie der Schwangerschaft  
  • Hochrisikoschwangerschaften mit matenalen Autoimmunerkrankungen, Thrombophilie und Epilepsie (Kooperation mit dem European and International Registry of Antiepileptic Drugs in Pregnancy - EURAP)

Klinische Schwerpunkte

  • Operative und systemische Therapie von Patientinnen mit gynäkologischen Malignomen  
  • Rekonstruktive operative Prozeduren bei Patientinnen mit gynäkologischen Malignomen (Neovagina, Neoblase, Ureterplastik). 
  • Fertilitätserhaltende Operationen und Follow up von jungen Frauen mit epithelialen und nichtepithelialen ovariellen Malignomen;
  • Kryokonservierung von Ovarialgewebe , hormonelle Protektion der ovariellen Funktion unter Chemotherapie.
  • Operatives Management von Mädchen und jungen Frauen mit angeborenen uterinen und vaginalen Fehlbildungen (Neovaginaanlage, Metroplastik)
  • Kindergynäkologische Sprechstunde  
  • Tumornachsorgesprechstunde der Klinik




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Letzte Änderung: 29.07.2017


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