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26.06.2010 | Gedanken zur Schliessung der Geburtshilfe im Campus Benjamin Franklin |

Einige Gedanken zur Schliessung der Geburtshilfe im Campus Benjamin Franklin: Nicht alles war früher wirklich besser, aber nicht alles, was heute läuft ist auch wirklich gut!



[Berlin] Am Freitag, dem 26. Juni 2010, wurde bekannt, dass zum 1. August 2010 die Schliessung der Geburtshilfe im Campus Benjamin Franklin der Charite, dem ehemaligen Universitätsklinikum Steglitz der Freien Universität Berlin erfolgt.

Diese Information wurde inzwischen offiziell bestätigt. Seit der Eröffnung 1969 unter Prof. G. Hörmann (zuvor in Moabit) fanden im Universitätsklinikum Steglitz Geburten statt.

Das Klinikum gehörte zu den ersten Kliniken in Deutschland, die das in den frühen 80er Jahren das geburtshilflich-neonatologische Tür-an-Tür-Konzept konsequent umsetzten.

Im Süden Berlins bildeten Prof. Hans Karl Weitzel (Geburtshilfe), Prof. Hans Versmold (Neonatologie) und Prof. Jürgen Waldschmidt (Kinderchirurgie) seinerzeit ein sehr erfolgreiches "perinatales Triumvirat", das im Norden kollegial durch Prof. Martin Vogel (Paidopathologie) flankiert wurde. Alle Assistenten der UKS-Frauenklinik mussten (heute sagen wir: durften!) vor Ihrer Kreissaalzeit für 6 Monate in die Neonatologie rotieren und hatten nicht selten noch nachts um 1 Uhr das Vergnügen wichtige Fälle Prof. Waldschmidt persönlich vorstellen zu dürfen.

Parallel damit ging die Entwicklung der Ultraschalldiagnostik, der interdisziplinären kinderärztlichen Besprechungen und der Perinatalkonferenzen.

Es bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen die Schliessung der CBF-Geburtshilfe, die in den Jahren nach der Emeritierung von Waldschmidt, Versmold und Weitzel bis heute tatsächlich einen dramatischen Abschwung genommen hat (man spricht heute von "unterkritischer Masse"), auch vor dem Hintergund der 2009 erfolgten Schliessung der Gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin für die universitäre Ausbildung der Studenten und die Weiterbildung zum Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe haben wird.

Die Charite-Frauenkliniken sind heute mit ihren Teams im CCM sowie im CVK in erster Linie gynäkologisch-onkologisch, senologisch und geburtshilflich-perinatologisch gut aufgestellt. Wie die Entwicklung im CBF vor dem Hintergrund der gravierenden ökonomischen Probleme der Charite und des Berliner Senates weitergeht bleibt mit Spannung abzuwarten. Die Schliessung der CBF-Geburtshilfe, knapp 3 Monate nach der Emeritierung von Prof. Joachim W. Dudenhausen, wird in jedem Fall für die Berliner Medizinlandschaft im Süden Berlins (speziell für die Frauenkliniken im Augusta-Viktoria-Klinikum, im Krankenhaus Waldfriede und im St. Josef-Krankenhaus) weitreichende und erfreuliche Folgen haben, denn man braucht nicht lange rätseln, wohin die Schwangeren und später auch deren Familien ausweichen werden. (A.D.Ebert)



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Letzte Änderung: 29.07.2017


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